„Ich habe mich schon immer für mehr Gerechtigkeit eingesetzt“

Mit insgesamt 27 Kandidatinnen und Kandidaten trat DIE LINKE im Bodenseekreis zur Kreistagswahl an. Gewählt wurde am 7. Juni schließlich Roberto Salerno. Erst kürzlich Mitglied der LINKEN geworden, wird er nun in den kommenden fünf Jahren als einziger Abgeordneter der LINKEN eine wichtige Funktion ausüben. Neues Oberschwaben sprach mit Roberto über sein Engagement und die kommende Arbeit.

NO: Roberto, Du bist erst im März Mitglied der LINKEN geworden – und ein halbes Jahr später schon der erste Kreisrat dieser neuen Partei. Kam die Wahl für dich überraschend?

Roberto: Ja, ich war sehr überrascht, ich wollte eigentlich der Liste als Unterstützer beitreten und hatte nicht damit gerechnet, in den Kreistag gewählt zu werden. Inzwischen habe ich mich mit der Funktion eindringlich auseinander gesetzt und freue mich sehr, mit meinem Kompetenzteam, die aus einigen fachkompetenten Mitgliedern aus der LINKEN im Bodenseekreis gegründeten worden ist, die Aufgabe für unsere Mitglieder und natürlich in erster Linie unserer Wählerinnen und Wähler wahrzunehmen.

NO: Du warst zwanzig Jahre lang Mitglied der SPD und auch in Funktionen aktiv. Was war für dich ausschlaggebend, die SPD zu verlassen und Mitglied der LINKEN zu werden?

Roberto: Ich war tatsächlich nicht nur Mitglied der SPD, sondern auch 8 Jahre lang Ortsvorsitzender der Meckenbeurer SPD. Ich hatte große Hoffnungen an die Regierungszeit Schröder gesetzt: Verbesserungen in der Bildungspolitik, Erhalt und Verbesserung der Rentenversicherung, Verbesserungen im Gesundheitswesen, Stärkung der Arbeitnehmerrechte, Verbesserung der Einkommen der Familien, um nur einige zu nennen. Leider wurde ich bitter böse enttäuscht, die Bilanz sah 2005 schlechter aus als am Anfang der Regierungsperiode. Agenda 2010, verbunden mit den Harz-IV-Gesetzen, Einführung der Riester-Rente, dann die Rente mit 67. Wir haben im europäischen Vergleich eines der rückständigsten Bildungssysteme, der OECD-Bericht oder die PISA-Studie bestätigen das. Jahr für Jahr steigende Kinder- und Familienarmut. Immer schlechtere Bedingungen für Arbeitnehmer, gesund und mit einem ausreichendem Einkommen in Rente zu gehen. Die größte Umverteilung von unten nach oben in der Nachkriegsgeschichte, das hatte für mich nichts mehr mit Sozialdemokratie, wie sie einst gegründet worden ist, zu tun.

NO: Hattest Du während deiner Mitgliedschaft in der SPD schon die Möglichkeit, Erfahrungen im kommunalpolitischen Bereich, z.B. im Gemeinderat zu sammeln?

Roberto: Nicht direkt, aber in unserem Ortsverein hatten meine Genossinnen und Genossen Gemeinderats- und Kreistagsmandate und ich war sehr eng in ihre Arbeit eingebunden.

NO: Du bist Betriebsrat bei ZF und Fußballtrainer im Jugendbereich. War soziales Engagement für dich immer selbstverständlich?

Roberto: Ja, ich habe mich schon immer für mehr Gerechtigkeit eingesetzt. Ich war schon in meiner Ausbildungszeit Jugendvertreter und in der IG Metall engagiert und später Betriebsratsmitglied. Ich habe schon aktiv für die 35-Stunden-Woche gestreikt, im Betrieb mit verhindert, dass Produktionsteile ins Ausland verlagert werden, mich für mehr Ausbildungsplätze und bessere Entlohnung eingesetzt, um nur ein paar Themen zu nennen, was ich unter mehr Gerechtigkeit verstehe.

Fußball-Jugendtrainer im TSV Eschach mache ich jetzt schon seit drei Jahren ehrenamtlich, um aktiv etwas für eine sinnvolle Freizeitgestaltung für junge Menschen zu tun. Für mich selber ist das zudem natürlich ein toller Ausgleich und es macht mir großen Spaß, ich kann dabei super abschalten.

NO: Als „Einzelkämpfer“ wirst Du keine leichte Aufgabe im neuen Kreistag haben. Fühlst Du dich durch deinen Kreisverband gut unterstützt?

Roberto: Ja, auf alle Fälle. Wie schon erwähnt haben wir ein Kompetenzteam gegründet, das mich aktiv in verschiedensten Sachfragen unterstützen wird. Das sind Fachleute wie Hochschullehrer, Diplom- Volkswirt, Diplom-Sozialökonomen, ehemalige Gewerkschaftsfunktionäre. Und was für die Zusammenarbeit natürlich unglaublich wichtig ist: es sind einfach ganz tolle Menschen.

NO: In welchen Themenfeldern, die im Kreistag behandelt werden, möchtest Du dich besonders engagieren?

Roberto: Ich hoffe, dass ich durch den Eintritt in eine Zählgemeinschaft einen Ausschuss belegen kann. Dabei liegt mir der Ausschuss für Gesundheit und Soziales am Herzen.

NO: Wenn Du dir eine Sachfrage aus dem Kompetenzbereich des Kreistages aussuchen und nach deinen Wünschen ändern dürftest, welche wäre es und was würdest Du ändern?

Roberto: Öffentliche Kontrolle und demokratische Entscheidungen sowie größere Transparenz bei allen öffentlichen Dienstleistungen und Gütern. Die demokratische Kontrolle darf nicht allein den Kommunalpolitikern überlassen werden. Bürgerbeteiligungen und Bürgerentscheide müssen erleichtert und schon vor einer gesetzlichen Neuregelung im Landkreis praktiziert werden.

Und es gibt natürlich noch einige Baustellen: Angebote für eine gesunde Ernährung für alle Schülerinnen und Schüler sowie Coaching-Modelle für sozial besonders benachteiligte oder gefährdete Kinder und Jugendliche, halte ich für besonders wichtig.