Mirco Kolarczik (Ravensburg): „Die Krise ist eine Einladung zum Umdenken“

Fordert neues Denken für die Zeit nach der Krise: Mirco Kolarczik

Im neuen Wahlkreis 294 (Ravensburg) kandidiert Mirco Kolarczik für DIE LINKE. Der 25-jährige Physik-Student aus Ravensburg ist seit zwei Jahren als Kreisvorsitzender in der Partei aktiv.

Krise, Bankenrettung, Kurzarbeit, Abwrackprämie,… ein ganz eigenes Vokabular bestimmt die Politik der letzten Monate. Es soll der Eindruck erweckt werden, eine kurze Sonderperiode müsse überwunden werden, dann winke wieder Wohlstand für alle. Nicht vergessen, aber überdeckt ist das Vokabular, das dieses Jahrzehnt tatsächlich geprägt hat: Agenda 2010, Hartz IV, „Krieg gegen den Terror“, Pisa-Studie,… Die Ausbeutung und Entrechtung der Arbeiter, Arbeitslosen, Rentner, Kinder und vieler anderer hatte eine Vielzahl von Namen. Von diesen Konzepten hat sich die herrschende Politik nicht gelöst. Die Merkels, Steinmeiers, Guttenbergs und Schockenhoffs wollen heute vergessen machen, dass nicht nur Krisenzeiten auf dem Buckel der Schwachen ausgesessen werden, sondern grundsätzlich nur wenige Kapitalbesitzer vom heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem profitieren. Bertolt Brecht, dessen Gedichte ich sehr schätze, beobachtete seinerzeit dasselbe und schrieb:

Wir hörten Sprüche wie diese:

Immer ruhig! Wartet doch nur!

Nach einer größeren Krise

kommt eine größere Konjunktur!

Und ich sagte meinen Kollegen:

So spricht der Klassenfeind!

Wenn der von guter Zeit spricht,

ist seine Zeit gemeint.

Der brave Kleinbürger wird ob des Begriffs „Klassenfeind“ die Nase rümpfen, aber ich bin ein Freund klarer Worte: Das Volk muss um seines eigenen Wohles willen die bittere Wahrheit erkennen, dass unter dem Propagandabegriff „Soziale Marktwirtschaft“ ein ordinärer Kapitalismus kultiviert wurde – seit 1990 und dem Wegbrechen des sozialistischen Gegenspielers in stetig zunehmendem Ausmaß. Ich sehe meine Aufgabe als Politiker darin, den Menschen dabei zu helfen, Ausbeutung zu erkennen und sich nicht damit abzufinden. Die Forderungen in unserem Wahlprogramm sehe ich als Mindestforderungen an.

Linke Politik in den Parlamenten muss und kann mehr sein als Verteilungsprogramme. Sie muss den kulturellen Gegenentwurf zur Barbarei des Kapitalismus zeigen. Sozialistische Politik ist werteorientiert. Hartz IV ist nicht nur pervers, weil der Regelsatz nicht für halbwegs gesunde Ernährung reicht. Hartz IV ist auch pervers, weil es den Respekt vor dem Menschen zerstört. Hartz IV bedeutet die totale Verachtung, die die Gesellschaft vor dem Lebenswerk des Einzelnen demonstriert. Nur Respekt vor dem Menschen schützt vor Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Ich bewundere Hartz-IV-Empfänger, die sich von erfahrenen Erniedrigungen nicht brechen lassen, sondern aktiv werden für eine bessere Politik. Mit ihnen bin ich gerne in der LINKEN, auch wenn wir oft aus ganz verschiedenen Milieus kommen.

Ich stehe nicht auf der Landesliste und werde daher nicht in den Bundestag einziehen, möchte aber mit meiner Kandidatur dazu beitragen, dass die Menschen in unserer Region die aktuelle, globale Wirtschaftskrise dazu nutzen, um neu und unvoreingenommen über die Wirtschaft und das Gemeinwesen nachzudenken. Als Sozialist vertrete ich die Auffassung, dass politisches Handeln ohne die Forderung nach demokratischer Kontrolle der Wirtschaft zu kurz greift, ja generell zum Scheitern verurteilt ist. Ein Scheitern unserer Demokratie droht, die Machtlosigkeit der derzeitigen Politik gegenüber dem Wirtschaftssystem erst erkannt wird. Daher möchte ich mit den Menschen in unserer Region und vor allem der Jugend darüber diskutieren, an welchen Stellen grundlegende Änderungen erforderlich sind, um eine bessere Zukunft für die Menschen heute und morgen zu erreichen. DIE LINKE als eine Partei aufzubauen, die diesem Anspruch gerecht wird, ist für mich mit Bezug auf diese Kandidatur das zentrale Ziel. Wir laden zur Mitarbeit ein!

zur Person

  • geboren am 4. Mai 1984 in Achim (Niedersachsen)
  • 1989 Umzug nach Ravensburg
  • 1990 Einschulung in der Grundschule Weststadt
  • ab 1994 Besuch des Spohn-Gymnasiums in Ravensburg
  • 2003 Abitur am Spohn-Gymnasium
  • 2003-2004 Zivildienst am Körperbehindertenzentrum Oberschwaben (KBZO) in Weingarten
  • seit Wintersemester 2004 Studium der Physik an der Uni Konstanz
  • 2003: Eintritt in die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS)
  • Juni 2006 - Juli 2007: Sprecher der Basisorganisation Bodensee-Oberschwaben der Linkspartei.PDS
  • seit Juli 2007: Kreisvorsitzender der Partei DIE LINKE
  • Delegierter zum Bundesparteitag der Partei DIE LINKE
  • Herausgeber dieser Zeitung

Neue Wahlkreiseinteilung: Jetzt vier statt drei Wahlkreise in Oberschwaben

Links der alte, rechts der neue Wahlkreiszuschnitt: Aus ehemals drei sind jetzt vier geworden.

Gegenüber 2005 hat sich der Zuschnitt der Bundestagswahlkreise stark verändert: Statt bisher drei, ist die Region jetzt auf vier Wahlkreise verteilt.

War der Landkreis Ravensburg bisher auf die drei alten Wahlkreise aufgeteilt, so hat er nun (fast) einen eigenen Wahlkreis. Ausgenommen sind nur die Gemeinden Bad Wurzach, Aichstetten, Aitrach und Kißlegg, die wie früher zum Wahlkreis Biberach (früher 293, jetzt 293) gehören. Zum Wahlkreis Bodensee (jetzt 293) gehören jetzt der Bodenseekreis und einige Gemeinden des Landkreises Sigmaringen. Wie sich die Wahlkreisgrenzen gegenüber der letzten Bundestagswahl 2005 verschoben haben, können Sie der Karte entnehmen (fett eingezeichnet die Wahlkreisgrenzen, gepunktet die Grenzen der Landkreise). Folgendermaßen setzen sich die Wahlkreise im Einzelnen zusammen:

292 Biberach: Landkreis Biberach und zusätzlich Aichstetten, Aitrach, Bad Wurzach und Kißlegg (alle RV)

293 Bodensee: Bodenseekreis und zusätzlich Herdwangen-Schönach, Illmensee, Pfullendorf und Wald (alle SIG)

294 Ravensburg: Landkreis Ravensburg, allerdings ohne Aichstetten, Aitrach, Bad Wurzach und Kißlegg (alle im Wahlkreis 292)

295 Zollernalb-Sigmaringen: Landkreis Sigmaringen, allerdings ohne Herdwangen-Schönach, Illmensee, Pfullendorf und Wald; Zollernalbkreis, allerdings ohne Bisingen, Burladingen, Grosselfingen, Hechingen, Jungingen und Rangedingen (alle im Wahlkreis 290 Tübingen)